Vortrag „von der Krippe in die Grundschule“

Dieser Tage hatte die Freie Wählervereinigung Hockenheim in Verbindung mit dem Bildungswerk für Kommunalpolitik einen Vortrag mit dem Arbeitstitel „Von der Krippe in die Grundschule“ in der Zehntscheune organisiert. Referentin war Frau Christiane Dürr vom Gemeindetag Baden-Württemberg.

Die Referentin  verstand es einen außerordentlich lebendigen Vortrag über dieses schwere Thema zu halten, an dessen Ende sie die Zuhörer und die anwesenden Mandatsträger nachdenklich und zum Teil alarmiert zurückließ. Ausgezeichnet  vorbereitete und gut recherchierte Statistiken schafften Klarheit über Verteilung auf Kindergartenplätze und andere Betreuungsformen wie z.B. Tagesmütter, über bestehende und geplante Krippenplätze und zeigten Kostenaufstellungen für Kinder, die nicht in der Wohngemeinde,  sondern auswärts einen Krippen- oder Kindergartenplatz gefunden haben.
Die Bedarfsplanung wird immer komplexer, auch komplizierter, insbesondere durch die Stärkung des Wunsch- und Wahlrechts der Eltern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die ständig wachsende Mobilität wirken sich auch auf die Kinderbetreuung aus. Immer mehr Kinder gehen nicht selbstverständlich am Wohnort, sondern z.B. am Arbeitsort der Eltern in den Kindergarten. Dies ist für die Gemeinden selbst von eminenter Wichtigkeit, müssen sie doch für die auswärts untergebrachten Kinder Ausgleichsgelder zahlen. Außerdem machen es Eltern immer mehr davon abhängig wie die Unterbringung im Kindergarten möglich ist, wenn sie eine Wohnortentscheidung treffen müssen. Deshalb ist ein früher Dialog mit den Eltern notwendig,  um die Bedürfnisse recht früh zu erkennen und in die Bedarfsplanung einzubeziehen.
Ab 2013 hat jedes Kind zwischen 1-3 Jahren einen klagbaren Anspruch auf einen Krippenplatz. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die Gemeinden einen Anteil von 35 % an Krippenplätzen schaffen. Die Referentin führte aus, dass dies in einigen Städten und Gemeinden wohl nicht ausreichend sei und der Bedarf dort höher sei. „Was in den nächsten Jahren in Sachen Ausbau der Kleinkinderbetreuung und Veränderungen im Bereich der Bildung auf die Städte und Gemeinden zukommt, wird sowohl von den inhaltlich/qualitativen als auch von den finanziellen Dimensionen her eine mehr als große Herausforderung werden.“ Nach ihrer Ansicht können das die Städte und Gemeinden alleine nicht stemmen. Der Bund und das Land, die diese Entwicklung angestoßen haben, müssten hier mehr in die Verantwortung treten; (Wer bestellt-bezahlt). Auch diese Ausgabe wurde anhand einer Statistik über die bisherigen und die hochgerechneten Ausgaben für Kindergärten und Krippen in der Zukunft untermauert.
Frau Dürr kam zu dem Fazit: „Das Thema frühkindliche und vorschulische Bildung und Betreuung bleibt in den kommenden Jahren ein Mega-Thema, nicht nur im Bund und im Land, sondern ganz besonders in den Rathäusern der Städte und Gemeinden, in der Kommunalpolitik und nicht zuletzt natürlich auch in den Kindertageseinrichtungen selbst, deren Profil sich dadurch immer weiter verändern wird.“
Der 1. Vorsitzende dankte der Referentin für diesen ausgezeichneten und informativen Vortrag und
hätte sich mehr Zuhörer, insbesondere Mandatsträger und Kindergärtnerinnen gewünscht, denn es hat sich doch herausgestellt, dass nicht alle über diese Zusammenhänge so gut Bescheid wissen.