Stuttgart 21 Veranstaltung

FWV: Veranstaltung zu Stuttgart 21 in der Zehntscheune mit Experte Manfred Poethke / Kontroverse Diskussion

Zug um Zug über umstrittenes Projekt informiert

Traditionell wird im Dezember eine Fachjury der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ in Wiesbaden das „Wort des Jahres“ küren. Im vergangenen Jahr wählte man hierfür die Bezeichnung „Abwrackprämie“ als eines der bestimmenden Worte in der öffentlichen Diskussion. Passend dazu wird jährlich an der Universität Frankfurt am Main das „Unwort des Jahres“ bestimmt. Wenn man in den vergangenen Monaten Demonstranten rund um Stuttgart auf dieses Thema hin angesprochen hätte, kämen wohl des Öfteren Vorschläge wie „Stuttgart 21“, je nachdem, ob man der Thematik gegenüber nun positiv oder negativ eingestellt ist.

Die Freie Wähler Vereinigung bot vergangenen Mittwoch den interessierten Bürgern in der Zehntscheune eine Diskussionsplattform zum Thema „Stuttgart 21“, ohne dabei politisch Einfluss nehmen zu wollen.

Gerade im Hinblick auf die anstehenden Landtagswahlen im kommenden Jahr gerät Stuttgart 21 auch nach Meinung des Vorsitzenden Klaus Zizmann, der zu Beginn der Infoveranstaltung kurze Fakten zum Bauprojekt in der Landeshauptstadt vortrug, ins Blickfeld der regionalen Politik.

Steilvorlage für Landtagswahl
Man sei sich einig, dass das Streitthema eine Steilvorlage für die anstehenden Wahlen in Baden-Württemberg darstelle. Umso glücklicher seien die Freien Wähler, als „Verein“ ein Forum der Information und des Meinungsaustausches zu solchen öffentlich-politischen Themen zu bieten. Der mäßige Teilnehmerzuspruch sei wohl auch auf das Ende der Schlichtungen zurückzuführen – oder das Wetter – so Zizmann.

Um die Problematik möglichst vorurteilsfrei und neutral zu veranschaulichen, referierte Ingenieur Manfred Poethke vom Turmforum Stuttgart, seit Beginn der Planungen im Jahre 1995 mit dem Projekt „Stuttgart 21“ vertraut und bis 2006 als Entwickler involviert, detailliert, „um Informationslücken in der Bevölkerung zu schließen“. Der gebürtige Berliner, Befürworter des Mammutprojektes, blickte dabei über den Tellerrand des bezeichneten „Herzstückes“ rund um Stuttgart hinaus und erläuterte den Zusammenhang im transeuropäischen Bahnprojekt. Hierbei kritisierte er unter anderem die „zu tendenziöse Medienberichterstattung“, in der man leicht das Gesamtkonstrukt verkenne, da Stuttgart 21 mehr als nur den geplanten Bau eines Durchgangsbahnhofes bedeute. Die umfangreichen Informationen zu Logistik, Kosten und Infrastruktur des Großprojektes sollten den Blick mittels modernster Animationen auf möglichst alle Facetten des umstrittenen Umbaus lenken.

Im Anschluss an die ausschweifende Präsentation blieb dem Referenten nur der so bezeichnete Glaube daran, dass nach der abgeschlossenen Schlichtung Stuttgart 21 „Zug um Zug“ komme.

Nachteile für Region befürchtet
Durchaus kontrovers wurde anschließend diskutiert und nachgehakt. Fragen nach dem vorgeschlagenen Volksentscheid wurden ebenso behandelt wie das Gegenprojekt mit Titel „K 21“ und die Kostenfrage. Hierbei gingen die ausschweifenden Gedankengänge manchmal ein bisschen über die Wissensgrenzen der anwesenden Interessierten hinaus, wenn es beispielsweise um Vergleiche mit dem S-Bahn-Netz in der Schweiz oder der Finanzierungsfrage bei einem möglichen Ausstieg aus dem Milliardenprojekt ging. Eigene Erfahrungen wurden ebenso in die Runde geworfen wie Informationen aus dem öffentlichen Leben. [...] weiter lesen, klick auf Bild.

Quelle: Hockenheimer Tageszeitung, 3.12.2010, Seite 19
Verfasser: Benedikt Klenk