Sommerinterview

Das Sommerinterview der Hockenheimer Tageszeitung mit der Freien Wählervereinigung Hockenheim

"Wichtig ist, ein Wir-Gefühl aufzubauen!"
 
Das Jahr war bisher besonders vom Wandel geprägt: Neue Mitglieder im Gemeinderat, die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters und ein Führungswechsel am Hockenheimring. Klimawandel und Digitalisierung werfen drängende Fragen auf. Wie gehen die Parteien mit dem Wandel um und welche Pläne haben sie?
Im Sommerinterview der Hockenheimer Tageszeitung mit der Freien Wählervereinigung Hockenheim stellen sich gemeinsam die Fraktionssprecherin Gabi Horn und der 1. Vorsitzenden Jochen Vetter:
 
1. Die Sitzverteilung im Gemeinderat ist seit der Kommunalwahl eine andere. Was bedeutet die Veränderung für Sie?
Die Sitzverteilung hat sich ein wenig geändert, dennoch möchten wir uns weiterhin sachbezogen, unabhängig, und engagiert ohne Partei-Ideologien- wie in unserem Wahlkampf versprochen, zusammen mit den anderen Fraktionen für unsere Bürgerinnen und Bürger einsetzen.
 
2. Welche Impulse wünschen Sie sich vom neuen Oberbürgermeister Marcus Zeitler?
Wir wünschen uns eine partnerschaftliche und überfraktionelle Zusammenarbeit basierend auf einer guten Sachpolitik zum Wohl unserer Bürgerinnen und Bürger.
 
3. Glasfaser und 5G: hinkt Hockenheim in Sachen Infrastruktur hinterher?
Wir verstehen den Breitbandausbau als eine kommunale Pflichtaufgabe. Die digitale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts ist aber nicht nur für Unternehmen von Bedeutung, auch die Entscheidung für den privaten Wohnsitz wird zukünftig, vornehmlich bei jungen Familien, von den verfügbaren Datenvolumina vor Ort bestimmt sein. Weil private Telekommunikationsunternehmen den Glasfaserausbau insbesondere im ländlichen Raum aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisieren konnten, haben die 54 Städte und Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises 2014 den Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar gegründet. Die gemeinsame Zielsetzung ist schnelles Internet für alle. Der Zweckverband fungiert dabei als Infrastruktur-Dienstleister. Das Dienstleistungsportfolio umfasst umfasst Beratung, Planung, Akquisition von Fördermitteln, Überwachung der Planung- und Bauleistungen, Verpachtung des Netzes und Informationsaustausch zwischen den Beteiligten. Zahlreiche Zielvorgaben wurden umgesetzt, andere nicht oder noch nicht. Hierfür gibt es mehrere Gründe: eine verschärfte Wettbewerbssituation, veränderte Modalitäten bei der Beantragung und Zuteilung staatlicher Zuschüsse und eine Bauwirtschaft mit Vollauslastung. Wir hoffen, dass zum Ende des Jahres 2019 der Backbone an allen Städten und Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis angekommen ist.
 
4. Klimawandel und Umweltschutz sind auch auf Kommunalebene heiß diskutierte Themen. Was kann dabei in Hockenheim besser gemacht werden?
In Hockenheim wird schon einiges gemacht - und darauf sind wir stolz. So gibt es neu die Agenda-Gruppe, die sich mit diesem Thema befasst und die von sehr engagierten Personen begleitet wird. Ferner ist es u.E. wichtig, dass der einzelne darauf hingewiesen wird und sich bewusst macht, was er tun kann.
Was wir aber auch tun können, ist zu verhindern , dass in Hockenheim die Autobahn-Raststätte erweitert wird. Dies würde bedeuten, dass wohnortnaher Wald gerodet wird und dessen Schutz- und Erholungsfunktion zur Autobahn hin für unser angrenzendes Wohngebiet minimiert wird.
Eine unnötige Baumrodung gilt es auf jeden Fall zu verhindern im Gewann „Entenpfuhl“ zwischen Hockenheim und Ketsch. Dort sollen auf Schwetzinger Gemarkung große Flächen Wald gerodet werden, um Kies abzubauen.
Umweltschutz bedeutet aber auch z.B. die Hockenheimer Kläranlage technisch instand zu halten, um weiterhin sauberes Wasser zu liefern.
 
5. Am Hockenheimring folgen auf Georg Seiler zwei neue Geschäftsführer. Was erwarten Sie von Jorn Teske und  Jochen Nerpel?
Wir wünschen uns eine gute Zusammenarbeit mit den beiden neuen Geschäftsführern zum Wohl der Gesellschaft und der Stadt Hockenheim.
Wichtig ist uns dabei, dass unser guter Name, den wir unbestritten durch die Formel - I in der ganzen Welt haben und worauf wir Hockenheimer auch sehr stolz sind und den wir natürlich unserem bisherigen Geschäftsführer Georg Seiler zu verdanken haben, - erhalten bleibt.
Mit Herrn Teske haben wir einen langjährigen Ring-Mitarbeiter, der die Abläufe am Ring kennt und künftig mit der emodrom-GmbH den Ring hoffentlich weiterentwickelt.
Herr Nerpel kommt dagegen aus dem aktiven Motorsport und kann mit seinen Kontakten innerhalb der Motorsportszene helfen, Rennsport-Veranstaltungen nach Hockenheim zu holen, um damit die Position des Hockenheim-Rings im globalen Wettbewerb zu festigen.
 
6. Wie könnte das Thema Sozialer Wohnraum beschleunigt werden?
Wir müssen so schnell als möglich ein neues Baugebiet ausweisen und dort auch bezahlbaren Wohnraum schaffen. Zusätzlich wäre natürlich auch ein Wohngebiet schön mit etwas größeren Grundstücken. Beides sollte in Hockenheim angeboten werden, damit wir nicht unsere jungen Familien an andere Kommunen verlieren.
Nach wie vor muss man vielleicht auch über eine kommunale Wohnungsbau-Genossenschaft nachdenken. Wie schnell eine Umsetzung erfolgen kann, können wir allerdings nicht vorhersagen, da dieses Thema erst einmal in den Gremien auf Machbarkeit beleuchtet und diskutiert werden muss.
 
7. Die Verwaltung wird immer wieder wegen fehlender Transparenz kritisiert. Wie könnte der Dialog mit dem Bürger besser gestaltet werden?
Es wäre schön, wenn wir in Zukunft etwas transparenter unsere Entscheidungen treffen könnten, das würde auch für uns manches erleichtern.
Aber natürlich ist zu beachten, dass dort, wo private Interessen tangiert werden, keine öffentliche Diskussion stattfinden kann.
Ansonsten finden unsere Fraktionssitzungen sowie die Gemeinderat- und Ausschußsitzungen in der Regel öffentlich statt und jeder ist hierzu immer eingeladen.
Vielleicht wäre es sinnvoll, die Fragen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger vor dem öffentlichen Teil einer Gemeinderat- oder Ausschusssitzung zu behandeln und nicht erst am Ende einer manchmal sehr langen Beratung. Unter Umständen kämen dann mehr Bürgerinnen und Bürger zu den Sitzungen.
 
8. In welchem Bereich ist Hockenheim besonders gut aufgestellt?
Es gibt gute Ansätze bei uns - wir haben gute Schulen - diese müssen wir aber nun sanieren. Wir haben sehr gute Kindertageseinrichtungen mit entsprechend gutem Personal. Unsere Innenstadt ist sehr schön - leider fehlt es uns hier an Geschäften und wir hoffen, dass sich hier auch wieder etwas ändert. Wir haben ein sehr schönes Freizeitbad, Kultur- und Sportvereine, die gute Jugendarbeit leisten, den Hockenheim-Ring mit interessanten Rennveranstaltungen und sehr großen Konzerten mit weltweit bekannten Künstlern. Mit dem Landesgartenschaugelände und der neuen HÖP haben wir sehr schöne und ansprechende Naherholungs- und Grünzonen. Die guten Ansätze, zu denen bestimmt noch einige hinzukommen werden, müssen also weiterverfolgt und umgesetzt werden und dann werden wir schon unsere Stadt weiterentwickeln.
Nicht zu vergessen ist natürlich der auf unsere Anregung hin installierte Mängelmelder auf der Homepage der Stadt Hockenheim.
 
9. Wo könnte nachgebessert werden?
Es wäre schön, wenn wir mehr Gastronomie hätten, in der Innenstadt auch wieder mehr Geschäfte, besonders vor unserer herrlichen Zehntscheune wäre auch ein Markt mittwochs und samstags eine große  Bereicherung für unsere Stadt und bestimmt würde bei einem entsprechenden Sortiment gemischt mit regionalen Anbietern dieser auch angenommen.
Nicht zu vernachlässigen sind auch die teilweise sehr maroden Straßenzustände; diese gilt es umgehend zu beheben.
 
10. Wie sieht Ihr Wunsch-Hockenheim in zehn Jahren aus?
Wir wünschen uns eine freundliche und liebenswerte Stadt für Alle — Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen sollen sich wohl und angenommen fühlen. Wichtig ist, dass wir ein Wir-Gefühl aufbauen und haben, dass wir miteinander stolz auf unsere Stadt sind und sie auch pflegen. Wir haben HÖP, Landesgartenschaupark, schöne Spielplätze, ein Schwimmbad - wir brauchen die Menschen, die es nutzen, und deshalb brauchen wir ein oder besser zwei Baugebiete. Wichtig ist uns, dass wir unsere innerstädtischen Grünflächen erhalten, die wir für ein gutes innerstädtisches Klima brauchen.
Unsere Stadt sollte ausreichend Angebote für ihre Bürger jeder haben, seien es Kindergartenplätze, Schulangebote; Freizeitangebote, Pflegeplätze, vielfältige kulturelle Angebote von Stadthalle, Pumpwerk, JUZ, VHS und der Vereine.