Ausstieg aus Formel 1

Formel 1: Freie Wähler wollen Ausstieg / Von Stuttgart "brüskiert"

"Stadt hat vom Land nichts zu erwarten"

Die Freie Wählervereinigung redet Klartext zur Austragung der Formel 1 auf dem Ring: "Wir müssen alles tun, um aus der Veranstaltung 2010 möglichst kostenneutral herauszukommen", schreibt Fraktionssprecher Klaus Zizmann in einer gestern veröffentlichten Presseerklärung der FWV. Kein gutes Haar lassen die Freien Wähler an der Landesregierung. Diese habe ihre finanzielle Unterstützung "an Bedingungen geknüpft, die völlig unrealistisch sind", urteilt Zizmann und nennt als Beispiel die Forderung, dass zuerst Metropolregion und Landkreis mitzahlen sollten. Fazit der FWV: "Die Stadt hat nichts zu erwarten."

Gespräch "völlig unbefriedigend"

Das Ergebnis der Besprechung von OB Dieter Gummer und der Geschäftsführung der Hockenheim-Ring GmbH mit dem Ministerpräsidenten, Vertretern der Landesregierung und anderer Institutionen sei "äußerst mager und für Hockenheim völlig unbefriedigend".

Die Landesregierung, die die Situation des Rings und die der Stadt Hockenheim seit Jahren kenne, habe sich "keinen Deut bewegt". Die Stellungnahmen von Regierungsvertretern seien seit Jahren immer die gleichen. Eine Entscheidung, ob dem Ring und der Stadt geholfen wird oder nicht, wäre nach Auffassung der FWV schon lange möglich gewesen und werde immer wieder hinausgeschoben. Dabei sei allen bekannt, dass die Gesellschaft keine Zeit mehr hat. Zizmann: "Sie leidet an einem Liquiditätsengpass und muss, falls die Formel-1-Veranstaltung 2010 wirklich durchgeführt werden muss, unbedingt jetzt schon in die Werbung und in den Verkauf der Karten einsteigen."

Keine Mehrheit in Landespolitik

Die Freien Wähler befürchten, der Regierung und den anderen Parteien im Land fehle es offensichtlich am Willen, Hockenheim zu helfen. Nach ihren Informationen findet der Vorschlag, Hockenheim zu helfen, quer durch die Parteien keine Mehrheit, was wohl "an der geografischen Lage Hockenheims im Norden unseres Landes liegt", mutmaßt Zizmann.

"Brüskiert" habe die Landesregierung die Fraktionen des Gemeinderats durch die indirekte Ausladung vom Spitzengespräch in Stuttgart am 20. Mai. Denn einen Tag nach der Gemeinderatssitzung mit dem "Doppelbeschluss" vom 25. März seien die Fraktionsvorsitzenden noch durch persönliche Schreiben eingeladen worden. Kurz vorm Gespräch habe Stuttgart OB Gummer dann erklärt, dass die Einladung ein Versehen gewesen sei. Diese Vorgehensweise zeige, "wie wenig die Vertreter des Hockenheimer Gemeinderats der Landesregierung bedeuten".

Dass bei jenem Spitzengespräch lediglich aus dem Lager der Industrie moralische Unterstützung für den Ring kam, damit könne Hockenheim nicht leben und die Formel 1 nicht durchgeführt werden.
(mm, Schwetzinger Zeitung, 30. Mai 2009)